Kennen Sie den schon?

Nashornkäfer_pixelio

Von Pixelio habe ich mir dieses zauberhafte Bild heruntergeladen, damit Sie wenigstens wissen, wovon ich rede. In all meinen fünfzig Jahren hatte ich so einen Burschen noch nie gesehen. Hirschkäfer kenne ich aus meiner Kindheit, Maikäfer haben mich bis in die fünfte oder sechste Klasse begleitet… Aber so einer?

Da sitze ich also im Juni ganz unschuldig und unbedarft auf der Terrasse meines sizilianischen Hauses, da macht es plötzlich „brumm“, „saus“, „boing“ und „purzel“, und meine samtpfotigen Mitbewohner eilen herbei. Doch sofort machen sie die Biege und gucken mich hilfesuchend an. Ich stehe auf und suche nach der Ursache ihrer Unsicherheit… und da sehe ich ihn! Hilflos auf dem Rücken liegend und mit den Beinchen in der Luft zappelnd. Zunächst bin ich etwas zögerlich, lieber nehme ich mal eine Serviette, um ihm wieder aufzuhelfen.

„Ein Nashornkäfer! Ein Nashornkäfer!“, quietsche ich vergnügt, und mein Mann tippt sich erst einmal mehr oder minder unverhohlen an die Stirn. Wie konnten er oder ich auch wissen, dass dies exakt die Bezeichnung des kleinen Kerlchens war?! Noch nie im Leben hatten wir davon gehört. Peinlich?

Mir ist’s egal, ich setze meine neue Entdeckung in die Lorbeerhecke und widme mich wieder meinem Buch.

Aber da macht es schon wieder „brumm“, „saus“, „boing“ und „purzel“, einmal mehr eilen die Katzen herbei, einmal mehr ziehen sie sich dezent zurück. Also nehme ich wieder die Serviette zu Hilfe und stelle überrascht fest, dass dieses Exemplar weder Horn noch Kragen hat.

„Ein Weibchen“, konstatiere ich fachmännisch, und einmal mehr scheint meinem Mann die Stirn zu jucken.

Auch dieses Exemplar wird in der Lorbeerhecke seiner Freiheit übergeben, aber da es in dieser Nacht ständig „brumm“, „saus“, „boing“ und „purzel“ macht, gelange ich zu der Erkenntnis, dass „Nashornkäfer“ nicht sehr schlau sind. Frontal gegen eine Wand zu fliegen, nur um dann auf dem Rücken zu landen, erscheint mir keine sinnvolle Überlebensstrategie zu sein.

Zwei Wochen lang rette ich diverse Exemplare – und ich glaube fest, dass es sich hier und da um Wiederholungstäter handelt – immer wieder vor dem sicheren Tode (sizilianische Ameisen kennen keine Gnade), aber erst daheim in Deutschland – wieder des WLANs mächtig – erfahre ich, dass meine Nashornkäfer tatsächlich so genannt werden.

Ich bin sehr stolz auf meine Fotos von diesen sizilianischen Käferchen – auch, wenn sie nicht viel taugen… die Fotos… Aber den da habe ich doch gut erwischt, oder?

Nashon_meins

 

Dass die Kerlchen auch in Mitteleuropa beheimatet sind, habe ich von NABU erfahren. Bin mal gespannt, ob mir einer begegnet.

Ihre Anne Johann